Fundhund "Ali"

Obwohl diese Geschichte schon fast 7 Jahre her ist, muss ich doch des Öfteren an "Ali" denken.

Er wurde als Fundtier in´s Tierheim gebracht und war in einem jämmerlichen Zustand. Abgemagert bis auf die Knochen, Durchfall, Flöhe. Da uns keine Vermisstenmeldung vorlag, gingen wir davon aus, dass er ausgesetzt worden war. Durch Zufall erkannte ihn am nächsten Tag eine freiwillige Helferin. Sie wusste zwar nicht den Namen des Besitzers, aber sie wollte sich erkundigen und uns dann Bescheid geben. Wenigstens wussten wir schon mal, wie der arme Hund hieß ......."Ali" ( ungefähr 3 Jahre alt). Er war so ein lieber, anhänglicher Kerl, und wir konnten nicht verstehen, warum der Besitzer ihn nicht vermisste.

"Ali" konnte nicht genug vom Fressen bekommen. Er verschlang alles innerhalb von Sekunden. Die tierärztliche Untersuchung ergab, dass er an Pankreasinsuffizienz erkrankt war. (Pankreasinsuffizienz bedeutet: die Unfähigkeit der Bauchspeicheldrüse die notwendigen Enzyme zur Fettverdauung herzustellen, was zur Folge hat, dass das Tier ständig Heißhunger hat und zusehends abmagert) Als wir schließlich Kontakt zu seinem Besitzer aufnehmen konnten, teilte dieser uns mit, dass er schon seit längerer Zeit von dieser Krankheit wusste. Er hatte es aber nicht für nötig befunden, Ali behandeln zu lassen. Das wäre er nicht wert, und zurückhaben wollte er ihn auch nicht. Durch eine rechtzeitige Behandlung (konsequente Diät und Vergabe von Medikamenten) hätte man die Krankheit sehr wahrscheinlich in den Griff bekommen können.

Ich war mal wieder schockiert von so viel Herzlosigkeit, obwohl man in einem Tierheim oft solche Äusserungen zu hören bekommt. Bei "Ali" aber traf es mich besonders, weil er mir aufgrund seines freundlichen und anhänglichen Wesens sofort an´s Herz gewachsen war.

Eine weitere Untersuchung ergab, dass die Krankheit schon zu weit fortgeschritten und eine Behandlung aussichtslos war. Der Anruf der Tierarztpraxis kam gegen Abend, als ich alleine im Tierheim war, weil ich mich mal wieder nicht "losreissen" konnte. "Ali" sollte am nächsten Tag in die Praxis gebracht und eingeschläfert werden. Hätte ich rechtzeitig Feierabend gemacht, wäre mir diese traurige Nachricht erst am nächsten Morgen zu Ohren gekommen. So aber saß ich nun da wie ein Häufchen Elend. Ich ging zu Ali, drehte ein letzte Runde mit ihm, machte ihm noch eine extra Portion Futter und gab ihm verschiedene Leckereien. Mit einem dicken Kloß im Hals und Tränen in den Augen machte ich dieses (leider nicht sehr gute) Abschiedsfoto von ihm.

Nie werde ich diesen traurigen Moment vergessen. Ich brachte es fast nicht über´s Herz nach Hause zu fahren. Aber da warteten schließlich meine eigenen Tiere auf ihre Streicheleinheiten. Schweren Herzens verabschiedete ich mich von Ali.

Warum mir gerade Ali´s Schicksal so an die Nieren gegangen ist, kann ich eigentlich gar nicht richtig erklären. Es gab sehr, sehr viele traurige und schlimme Erfahrungen. Aber bei Ali gab es nun mal kein Happy-End, weil sein Besitzer ihn für "wertlos", "lästig" und "überflüssig" gehalten hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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