Euthanasie

*Tierheimerfahrungen*

Ich hab recht lange gebraucht, bis ich dazu in der Lage war, bei der Euthanasie eines Tieres anwesend zu sein. Gelernt hab ich es eigentlich erst durch meine Arbeit im Tierheim. Leider ist es in einem Tierheim eben öfter´s mal der Fall, dass ein Tier eingeschläfert werden muss. Und als stellvertretende Tierheimleiterin konnte ich wohl kaum zum Tierarzt sagen "Ich geh solange raus." Also musste ich die Zähne zusammenbeissen und lernen, damit umzugehen. Daran "gewöhnt" hab ich mich nie, aber bei manchen Tieren war ich doch froh, dass ihnen ein längeres Leiden erspart bleiben konnte.
 
*Aggressive Tiere*
 
Besonders schlimm fand ich es immer, wenn ein aggressives Tier (zu 99% Hunde) eingeschläfert werden musste. Diese Tiere waren ja körperlich gesund, aber die Gefahr, dass sie wieder zubeissen würden, war einfach zu groß. Und die Vermittlungschance für einen "Wiederholungstäter" ist bekanntlich gleich null. Aber auch das gehört zum Tierschutz dazu. Einen aggressiven Hund, an den sich niemand mehr rantraut, mit dem niemand mehr Gassi gehen kann, über Jahre hinweg in einem Zwinger "aufzubewahren", ist meiner Ansicht nach Tierquälerei. Sicher, der Hund kann nichts dafür, sondern ist aufgrund schlechter Erfahrungen/Erziehung so geworden. Aber eine "Umerziehung" ist sehr schwierig und zeitraubend, in vielen Fällen sogar unmöglich. Wenn diese Tiere nicht eingeschläfert würden, gäbe es bald nur noch Tierheime, die mit unvermittelbaren Hunden vollgestopft wären.
 
*Alte Tiere*
 
Ich war schon seit ca. einem Jahr Tierheimleiterin, als die Vorstandschaft mich darüber informierte, dass man in Erwägung zog, bei Überfüllung des Tierheims die Tiere einzuschläfern, die aufgrund ihres Alters kaum noch eine Vermittlungschance hatten. Ich saß alleine vor diesen 4 "Herrschaften" und mir platzte der Kragen!!!! Ich sollte mehr oder weniger "beauftragt" werden, eines der  alten Tiere rauszusuchen, dass dann eingeschläfert werden sollte, damit ein junges Tier aufgenommen werden konnte. Da ich mich strikt weigerte, drohte man mir mit meiner Kündigung. Aber ich ließ mich auch dadurch nicht beirren, sondern blieb meinem Standpunkt treu und drohte meinerseits damit, an die Öffentlichkeit zu gehen!!! Solange ein Tier Freude am Leben hat, es weder krank noch aggressiv ist und es unter seiner Situation im Tierheim nicht leidet, darf es keinen Grund zum Einschläfern geben!!!!! Weder Platzmangel noch Geldnot dürfen da ausschlaggebend sein. Es hat in all den Jahren, in denen ich in diesem Tierheim gearbeitet habe, immer wieder eine Lösung gegeben. Manchmal war wirklich jeder Raum belegt, einschließlich den Personaltoiletten und Abstellkammern. Aber was man da von mir verlangen wollte, war unmöglich!!! Gott sei Dank wurde dieses Thema dann auch bald beiseite geschoben und solange ich in diesem Tierheim gearbeitet habe, ist es nie vorgekommen, dass ein Tier aus Altersgründen bzw. Platzmangel eingeschläfert worden ist. Und so manche "unvermittelbare graue Schnauze" hat doch noch ein gutes Plätzchen bei tierlieben Menschen gefunden!!!
 
*Kranke Tiere*
 
Es gibt kranke Tiere, für die das Einschläfern die einzige Lösung ist. Aber es gibt auch "kranke" Tiere (Diabetes, Epilepsie u.ä.) die durch konsequente Medikamentengabe ein durchaus lebenswertes Leben führen können. Dies gilt meiner Meinung nach auch für Tierheimtiere die genauso ein Recht darauf haben wie ein Tier, das privat untergebracht ist..
 
Ich möchte an dieser Stelle von einem ganz speziellen Fall berichten:
Wir hatten einen Perserkater vermittelt, der uns nach einigen Monaten zurückgebracht wurde, weil er unsauber geworden war. Eine nähere Untersuchung vom Tierarzt ergab, dass der Kater an Diabetes erkrankt war. Mir war klar, dass er im Tierheim keine allzu große Chance hatte, vermittelt zu werden. Auch war zu diesem Zeitpunkt kein verlässliches Personal angestellt, das eine regelmäßige Versorgung des Katers garantiert hätte. Ausserdem kannte ich die Einstellung der Vorstandschaft, die in solchen Fällen immer recht schnelle Entschlüsse fasste.
 Ich klagte mein Leid (wie schon so oft) meinen allerbesten Katzenfreunden. Die beiden hatten zwar schon sehr viele Katzen (16) aber sie überlegten nicht lange, sondern beschlossen, den Kater aufzunehmen und selber nach einem geeigneten Platz zu suchen. Sie holten ihn gleich morgens ab. Etwa eine Stunde später erhielt ich einen Anruf von der Tierarztpraxis. Man fragte mich, wo denn die zuckerkranke Katze bleibe. Meine "liebe Kollegin", die am Tag vorher Dienst gehabt hatte, hatte es versäumt, mir auszurichten, dass der Kater in die Praxis gebracht werden sollte (ich ging davon aus, dass der Kater "auf Insulin eingestellt" werden sollte). Ich teilte der Sprechstundenhilfe mit, dass das Tier vermittelt sei und die neuen Besitzer schon auf dem Weg zu ihrem eigenen Tierarzt seien.
So weit, so gut.
Am nächsten Tag erhielt ich eine mündliche Abmahnung des stellvertretenden Vorsitzenden, weil ich ein "todkrankes" Tier vermittelt hatte, das den Tag zuvor hätte eingeschläfert werden sollen. Anstatt froh zu sein, dass sich jemand eines solchen Tieres erbarmt hatte, machte man mir Vorwürfe. Ich hätte doch lieber stattdessen eines der gesunden Tiere vermitteln sollen. Dass jemand ein Tier nur nimmt, weil es sonst keine Chance hat, kann wohl nicht jeder nachvollziehen. Lange Rede .... kurzer Sinn ...... der Kater wurde innerhalb einer Woche auf Insulin eingestellt und lebt auch heute noch, fast 4 Jahre später, bei meinen Freunden!!!
Ghandi
 
 
*Fazit*
Ich bin nicht generell gegen das Einschläfern. Im Gegenteil!! Ich bin froh, dass es bei den Tieren die Möglichkeit gibt, ein längeres Leiden zu verhindern. Aber ich bin gegen voreiliges Einschläfern!!! Wenn ein Tier sich quält und es keine Hoffnung mehr auf Besserung gibt, dann ist das Einschläfern ein letzter Freundschaftsdienst, den man zwar schweren Herzens erweist, der aber für das Tier eine Erlösung ist. Aber in etlichen Fällen hielt ich das Einschläfern für voreilig und habe deswegen öfters Katzenbabies mit nach Hause genommen, die ansonsten eingeschläfert worden wären. Die Vorstandschaft hatte beschlossen, dass Katzenbabies, die noch nicht selbstständig fressen können, eingeschläfert werden sollten!! Es sei denn, wir hätten einen privaten Pflegeplatz für sie. Uns, dem Personal, wurde es verboten, Tiere auf Pflege mitzunehmen. Aber da hatten sie ihre Rechnung ohne mich gemacht!!! *fg* Ich habe mich zwar in diesem Sinne über eine "Dienstanordnung" hinweggesetzt und immer wieder heimlich Katzenbabies gepäppelt, aber ich bereue dies in keinster Weise und würde es immer wieder tun!! Dieses "Päppelverbot" ist einer der Gründe, warum ich meine Pfleglinge nach erfolgreicher Aufzucht nicht mehr ins Tierheim bringen konnte bzw. wollte.
Ich weiß nicht, wie es in anderen Tierschutzvereinen aussieht. Ich kann eben nur von dem Tierheim berichten, in dem ich gearbeitet habe. Aber ich hoffe doch, dass in den meisten Vereinen alle Tiere eine Chance bekommen!!

 

 

 

 

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